Leserbriefe 2021

Leserbrief zum Interview mit Axpo-CEO Christoph Brand in der AZ vom 23. Oktober 2021
Erschienen in der AZ vom 30. Oktober

Es brennt im Dach der Schweizer Energiepolitik

Nun dämmert es auch den Medien, dass die Stromversorgung der Schweiz schon mittelfristig gefährdet ist und die gehätschelte Energiestrategie 2050 vielleicht schon bald Makulatur sein könnte. Im Bundesamt für Energie wird jetzt darüber debattiert, wer zuerst im Dunkeln sitzen und frieren muss, derweil die Elektrifizierung in allen Richtungen wacker vorangetrieben wird. Das Interview bestätigt, dass die Schweiz dringend neue Grosskraftwerke braucht, aber Kernkraftwerke dürfen es keinesfalls sein. Die zunehmende Auslandabhängigkeit soll mit monströsen Fotovoltaikprojekten in Frankreich gemildert werden, und jeder Hausbesitzer soll bitte baldmöglichst Sonnenkollektoren auf dem Dach montieren. Was für Widersprüche und politische Unwägbarkeiten! Wenn Herr Brand wirklich so denkt, sollte er vielleicht auch Sonnenkollektoren auf seinen Tesla schrauben. Es stimmt natürlich, dass von einem Kernkraftwerkneubau kurzfristig keine Rettung zu erwarten ist. Das jedoch nicht wegen der Stromkosten, sondern wegen der langen Bauzeit und dem hohen Investitionsrisiko. Eine realistische Überbrückungslösung wäre ein Gaskraftwerk, das aber eine schlechtere Umweltbilanz und eine grössere Stromkostenunsicherheit aufweist. Den Fünfer und das Weggli gibt es halt nicht! Mit dem Imperativ „So wird das nichts“ hat der Axpo-Chef, allerdings im umgekehrten Sinn, recht.

Peter Wydler, Dr.sc.nat., Dipl. Phys. ETH

Ein offener Brief an alle Deutschen

25 In- und ausländische Journalisten, Akademiker und Autoren fordern in einem offenen Brief, dass die noch verbleibenden 6 deutschen Kernkraftwerke, nicht wie geplant, zur Hälfte Ende 2021 und die 3 letzten Ende 2022 stillgelegt, sondern weiterbetrieben werden. Ohne den Beitrag dieser CO2-freien Energiequelle, sei das 2030 Klimaziel nicht zu erreichen. Das Abstellen der Kohlekraftwerke müsse dem nuklearen Ausstieg vorangehen.

Wenn die Kernkraftwerke wie jetzt geplant abgestellt würden, produzierten die als Ersatz notwendigen Gaskraftwerke jährlich zusätzliche 40 Millionen Tonnen CO2 bis zum Jahre 2030.

Was leider immer noch nicht zum Allgemeinwissen gehört, sind die Erdgasverluste in den mehreren 1’000 Kilometer langen Leitungen. Auch wenn diese nur 0.5% betragen, ist die Klimaschädlichkeit den Kohlekraftwerken gleichzusetzen, weil Methangas (CH4), welches 93%des Erdgases ausmacht, über 20 Jahre gerechnet, 80 Mal treibhauswirksamer ist als CO2.

Der jetzt auch in der Schweiz immer lauter werdende Ruf, zur Vermeidung von Versorgungsengpässen mit möglichen Blackouts Gaskraftwerke zu erstellen, ist klimamässig also gleichbedeutend, wie wenn wir Kohlekraftwerke benützen würden. Politisch besteht allerdings schon ein Unterschied: Bei Gaseinsatz ist vor allem Putin der grosse Gewinner im Energiepoker. Wissen Sie übrigens, was er mit dem vielen Geld macht, das er dabei einnimmt? Er baut in Russland und andern Ländern Kernkraftwerke!

Hans Rudolf Lutz, alt Kantonsrat, Lostorf 15. Oktober 2021