Leserbriefe 2019

CO2 ist überall

So lautete der Titel eines Leserbriefs, den ich 1987 in der NZZ als Antwort auf das ideologisch gesteuerte Schlagwort „Tschernobyl ist überall“ publizierte. Es ging mir darum, aufzuzeigen, dass die westliche Kernenergietechnik mit der russischen nicht in einen Topf geworfen werden durfte. Für das CO2 galt aber schon damals: Es ist ein weltweites Problem, dem aber kein Politiker irgendwelche Beachtung schenkte.

Die Schweiz war gut auf Kurs punkto CO2-Einsparungen. Die heimische Elektrizitätsproduktion emittierte mit ihrem Mix aus Wasserkraft und Kernenergie praktisch kein CO2.

Wir haben dabei einen Jahrzehnte dauernden Beitrag an die Einsparung dieses Treibhausgases geleistet, der die jetzt von Links/Grün und leider auch der FdP geforderten Massnahmen um Grössenordnungen übersteigt.

Solange China, Indien und die USA ihre Elektrizität mit einem Kohle-, Gas- oder Ölanteil von über 50% produzieren, ist ein Schweizer Beitrag, wie z.B. die Verteuerung von Flügen, eine völlig bedeutungslose Schaumschlägerei.

Hans Rudolf Lutz, alt Kantonsrat, Lostorf, 21. Juni 2019

Ganz und gar unlogisch

Vor 40 Jahren hatte ich die Ehre in der Weltwoche einen Artikel zu publizieren mit dem Titel „Palmenstrand am Limmatquai?“ und damals schon auf die Klimaveränderung aufmerksam gemacht. Das Titelbild erinnert an dasjenige Ihres Artikels in der Weltwoche vom 21. Februar „Müssen wir das Klima retten?“. Zum damaligen Artikel kann ich heute noch stehen. Ich bin also kein Klimaleugner, im Gegenteil schätze ich das Klimaproblem als schwerwiegender ein als Sie.

Richard Lindzen ist nicht ein neutraler Zeuge. Der Klimaforscher James Hansen, als langjähriger Direktor des NASA Goddard Institute mindestens so prominent, sieht das ganz anders.

Trotzdem bin ich Ihnen für die Philippika an die Klimaaktivisten dankbar. Mit weniger Fleisch essen, weniger in die Ferien fliegen und mehr Velofahren den CO2-Ausstoss bis 2035 zu halbieren oder gar auf null herunterfahren zu wollen ist lächerlich. Das ist „Pflästerlipolitik“ und die Aktivisten wissen das. Warum soll man die CO2-Kompensation auf die Schweiz beschränken, wenn man anderswo mit dem gleichen Geld das Zehnfache erreichen könnte, ist nicht zu verstehen. Ganz und gar unlogisch ist der Widerstand der Klimaaktivisten gegen die fast CO2-freie Kernenergie.

Diese Inkonsequenz lässt für mich nur einen Schluss zu: Es geht den Klimaaktivisten gar nicht ums Klima! Das Klima dient lediglich als Vorwand für eine diabolische Strategie, Wirtschaft und Gesellschaft nach dem Gusto der Kapitalismus-Abschaffer umzukrempeln. Sicher gilt das für den harten Kern um Greenpeace, Grüne und Rote. Die zahlreichen Mitläufer, die das üble Spiel nicht durchschauen, halten sich für die Jünger einer Erlösungsbotschaft. Dass sich sogar Teile der Freisinnigen als „nützliche Idioten“ missbrauchen lassen, zeigt, wie erfolgreich die Strategie ist – leider!

Simon Aegerter, Wollerau

Greta, go nuclear!

Dies der Titel eines Flyers des deutschen pro-Kernenergie-Vereins „Nuklearia“.
Im Untertitel seht: „Die wirksamste Waffe im Kampf gegen den Klimawandel ist ein Kernkraftwerk.“

Nuklearia vertritt die gleichen Ziele, wie der Schweizer Verein „Kettenreaktion“. Mit den 400 gegenwärtig im Betrieb befindlichen Leichtwasser-Kernkraft-werken wurden in den letzten 30 Jahren ca. 2 bis 4 Welt-CO2-Jahresausstösse eingespart, je nachdem, ob dabei Gas- oder Kohlekraftwerke an deren Stelle die gleiche Strommenge produziert hätten. Auf den ersten Blick scheint dies nicht allzu viel zu sein. Ein Vergleich mit dem jetzt im Raum stehenden Vorschlag, die Anzahl Flugbewegungen weltweit um 20-30% einzuschränken, sind die Einsparungen mit Leichtwasserreaktoren aber gut 10 Mal besser!

Nuklearia und Kettenreaktion sind übrigens nicht die einzigen Gruppen, die Kernkraftwerke für das Erreichen der Klimaziele als beste Mittel vorschlagen.

In einem viel beachteten Artikel der „The New York Times“ vom 6. April 2019 mit dem Titel „Nuclear Power Can Save the World” (1088 Kommentare!) kommen 3 Autoren zum genau gleichen Schluss.

Mit der jetzt rasch voranschreitenden Entwicklung des modularen NuScale-Kleinreaktors können die USA ab Mitte der 20er Jahre ev. wieder an die Spitze der neuen vollständig sicheren Kernkraftwerke-Bauer gelangen.

Hans-Rudolf Lutz, Präsident Kettenreaktion, Lostorf 13. Mai 2019

Mit NELA zurück zur US-Führungsrolle in der Kernenergie

Letzte Woche ist etwas geschehen, von dem man bis dato nirgends etwas in der Presse gelesen hat: Eine 15-köpfige Gruppe von demokratischen und republikanischen Abgeordneten des amerikanischen Senats hat den „Nuclear Energy Leadership Act“ (NELA) präsentiert. Es handelt sich dabei um einen Gesetzesentwurf der private und staatliche Anstalten, die sich mit der Entwicklung von fortschrittlichen Reaktoren der nächsten Generationen befassen, zusammen bringen will.

Die US-Gesetzgeber wollen dabei sowohl Russland wie auch China die Führungsrolle auf dem Gebiet der friedlichen Kernenergienutzung streitig machen. Die Präsidentin der Gruppe, Senatorin Lisa Murkowski aus Alaska, nannte als Hauptziele: zuverlässige und preisgünstige Elektrizitätsversorgung. Sie betrachtet die Kernenergie ausserdem als eine der besten Optionen zur Erreichung der Klimaziele.

Was in USA gilt wäre selbstverstänlich auch für die Schweiz richtig. Leider machen wir gegenwärtig das Gegenteil. Statt bei der Entwicklung von neuen inhärent sicheren Reaktoren mit von der Partie zu sein, freuen wir uns an völlig nutzlosen Schülerdemonstrationen und wollen die sukzessive ausser Betrieb zu nehmenden Kernkraftwerke mit gasbetriebenen Kombianlagen oder in zunehmendem Masse mit Dreckstrom aus Deutschland ersetzen.

Hans Rudolf Lutz, alt Kantonsrat, Lostorf 3. März 2019

Der Wind, der Wind – das himmlische Kind

Am vergangenen Sonntag (17.03.19) hatten die schweizerischen Elektrizitätswerke Weihnacht. Sie verdienten zwischen 00.00 Uhr und 18.00 Uhr rund 6 Millionen CHF mit dem „Kauf“ deutschen Windstroms. Kaufen hiess in diesem Fall, einfach kassieren, weil der Preis negativ war. Etwa minus 12 Rappen pro Kilowattstunde. Dieses Geschäft wurde wegen 4 Faktoren möglich.

  1. Die Windstärke erreichte im besagten Zeitintervall sehr hohe (aber nicht zu hohe) Werte
  2. Strom aus Windrädern hat in Deutschland Priorität bei der Einspeisung ins Netz. Wenn zu viel produziert wird, müssen konventionelle Kraftwerke wie Kohle-, Braunkohle- und Gaskraftwerke zurückfahren damit das Netz nicht überlastet wird. Andernfalls könnte ein landesweiter Blackout geschehen.
  3. An Sonntagen ist der Strombedarf in praktisch allen Ländern tief. Industrie und Gewerbe ruhen.
  4. Die Schweiz besitzt die grössten Möglichkeiten Strom zu speichern. Nämlich mit Pumpspeicherkraftwerken oder durch Nichtgebrauch von Wasser in alpinen Speicherseen. Man konnte diese Fakten sehr deutlich montags und dienstags im Schweizer Strommix ablesen, wie alles ws ich eingangs aufgeführt hab: auf der website www.electricityMap.org

Und, wer bezahlte die 6 Millionen? Ja, Sie haben richtig geraten: der deutsche Stromkonsument, der die Alternativenergien Wind und Photovoltaik subventioniert.

Mit 27 Milliarden Euro pro Jahr!

Hans-Rudolf Lutz, a. Kantonsrat, Lostorf 19. März 2019