Leserbriefe 2018

Leserbrief zu NZZ, 16.5.2018 „Strom auf Knopfdruck aus Volketswil“

Irrwege in der Strompolitik

Die NZZ und der Tages-Anzeiger vom 16.5.2018 sowie zahlreiche andere Medien haben über die Inbetriebnahme der „grössten Batterie der Schweiz“ durch die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) mit einer Speicherfähigkeit von 7,5 Megawattstunden (MWh) Strom berichtet. Diese Grossbatterie wird als „wichtiges Stück Energiezukunft“, also eine Art Meilenstein der sogenannten Energiewende bewertet.

Um sich eine Vorstellung über die sehr begrenzte Speicherfähigkeit dieser Batterie mit einem Gewicht von 150 Tonnen und Kosten von 6 Millionen Franken zu machen, genügt eine einfache Rechnung. Das Resultat: Weniger als 22 Sekunden Stromproduktion des AKW Leibstadt (1275 MW Leistung) können in dieser Batterie gespeichert werden.

Um den Strom einer Produktionsstunde im AKW Leibstadt zu speichern, müsste man solche Batterien für fast eine Milliarde Franken beschaffen. Und für die Speicherung einer Tagesproduktion betrüge die Investition bereits gegen 24 Milliarden. Ist diese „Energiewende“ eine unsinnige Methode oder bereits methodischer Unsinn?

Die EKZ erwähnen zu Recht, dass der Strom aus dieser Grossbatterie als Regelenergie diene, also zum schnellen Ausgleich von schwankenden Netzspannungen. Warum aber sind solche Massnahmen zunehmend nötig?

Der Grund liegt in der laufend abnehmenden Netzstabilität in unseren Stromnetzen. Die Netzstabilität wird durch die zunehmende Einspeisung von Solar- und Windstrom beeinträchtigt, der als unregelmässiger „Flatterstrom“ anfällt.

Hier zeigt sich klar, dass eine Energiewende, welche Bandenergie aus AKW durch solchen „Flatterstrom“ ersetzen will, ein Irrweg ist. Der infolge des Fukushima-Hypes eingeschlagene Irrweg in der Schweizer Strompolitik führt zu einer Schwächung unserer Versorgungssicherheit.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz hat schon vor drei Jahren überzeugend festgestellt, dass Strommangel die grösste Gefahr für die Bevölkerung unseres Landes darstellt. Wieso wird von der politischen Führung nicht entsprechend gehandelt?

Diese unverantwortliche Strompolitik mündet zudem in eine unglaubliche Rohstoff- und Geldverschwendung wie das Beispiel der neuen Grossbatterie eindrücklich demonstriert. Wer glaubt eigentlich noch, dass eine solche Strompolitik umweltfreundlich ist?

Konrad Studerus, alt Kantonsrat CVP/ZG
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