Leserbriefe 2018

Die Schweizerische Elektrizitätspolitik muss neu gedacht werden.

Edwin Somm hat in seinem Beitrag in der NZZ vom 25.9.2017 darauf hingewiesen, dass die Schweizerische Elektrizitätspolitik einer Überprüfung bedarf. Somm sagt, dass unsere Nachbarn, Deutschland und Frankreich, mittelfristig selbst in einen Strommangel geraten könnten, sodass sie der Schweiz in einer Notsituation nicht mit der Lieferung von Strom werden aushelfen können. Unsere Strompolitik könne nicht weiterhin damit rechnen, dass Deutschland oder Frankreich uns in einer Strommangellage helfen werden. Eine Importstrategie genüge nicht. Dem ist zuzustimmen.

Im Folgenden möchte ich auf einen weiteren wichtigen Punkt hinweisen.

Die Schweiz hat, beginnend in den 60er Jahren einen ansehnlichen Park von Kernkraftwerken erstellt, in Betrieb genommen und erfolgreich betrieben. Nach der vorgesehenen Ausserbetriebnahme des Kernkraftwerkes Mühleberg Ende 2019 werden die Werke Beznau 1 und 2, Gösgen und Leibstadt weiterhin in Betrieb sein.

Die im Mai 2017 vom Volk angenommene Energiestrategie 2050 sieht vor, die bestehenden Kernkraftwerke so lange in Betrieb zu halten, wie deren Sicherheit gewährleistet ist; das Gesetz sieht ausserdem vor, dass neue Kernkraftwerke nicht gebaut werden dürfen.

Weiter hat die Schweiz das Pariser Klimaabkommen von 2015 unterzeichnet, sie hat sich verpflichtet, alle denkbaren Anstrengungen zu unternehmen, um die Abgabe von CO2 zu vermeiden oder zu vermindern. Die Energiestrategie 2050 sieht praktisch in allen Bereichen des Lebens und des Wirtschaftens einschneidende und einengende Massnahmen vor. Die Energiepolitik, die in der Schweizer Energiestrategie 2050 festgeschrieben worden ist, entspricht meines Erachtens nicht den zukünftigen Bedürfnissen unseres Landes. Die Annahme, dass die Schweiz bei einer deutlichen Verminderung des Elektrizitätsverbrauches mit gleicher Wirtschaftsleistung und gleichem gesellschaftlichen Wohlstand leben kann, ist eine Illusion. Das moderne Leben ist sichtbar in hohem Mass abhängig von Elektrizität, und dies zunehmend: Die Telekommunikation, die Haustechnik, der private und öffentliche Verkehr, der umweltverträglich ausgebaut wird (Elektrobusse, Abkehr von Benzin- und Dieselmotoren, Elektro-Velos), sind wichtige Bereiche, die alle Elektrizität benötigen. Fast jede Aktion, die fossile Energie einsparen will, benötigt elektrische Energie. Fazit: Die Schweiz braucht zukünftig mehr Strom und nicht weniger.

Als Quelle für die Quantifizierung und Veranschaulichung der Situation dient die vom Bundesamt für Energie erstellte Gesamtenergiestatistik 2017. Dort finden sich genaue Angaben zum Stromverbrauch der Schweiz in den letzten Jahren, auch zur Art der Stromerzeugung. Die Zahlen der Gesamtenergiestatistik 2017 lassen sich für die letzten drei Jahre wie folgt zusammenfassen:

Produktion

mit

Wasserkraft kWh Kernenergie

kWh

Konventionell –

thermisch kWh

Photovolaik

kWh

Total

kWh

2017 36‘667 19‘499 2‘852 1‘683 57‘849
Prozent 63.38 33.71 4.93 2.91 100
2016 36‘326 20‘235 3‘070 1‘333 57‘894
Prozent 62.75 34.95 5.30 2.30 100
2015 39‘486 22‘095 2‘661 1‘119 62‘700
Prozent 62.98 35.24 4.24 1.78 100

 

Die Tabelle zeigt, dass in allen drei Jahren die Wasserkraft etwa 63 % der verbrauchten elektrischen Energie geleistet hat, dass die Kernkraftwerke in allen drei Jahren etwa 34 % der verbrauchten elektrischen Energie produziert haben, dass konventionelle thermische Kraftwerke etwa 5 % beigetragen haben, und dass die Photovoltaischen Anlagen nur bescheidene 2 – 3 % geliefert haben. Windanlagen etc. leisten noch weniger.

Es ergeben sich folgende Schlussfolgerungen:

  1. Die Aufteilung der Stromerzeugung liegt noch immer bei ca. 63 % Wasserkraft und ca. 34% Kernenergie. Trotz aller Förderung der photovoltaischen Stromerzeugung sind wir heute immer noch bei nur knapp 2 Prozent. Die Leistung aller anderen erneuerbaren Energiequellen ist vernachlässigbar klein, sie leisten nichts Wesentliches.
  2. Das Verbot neue, moderne Kernkraftwerke zu bauen, ist falsch, es ist kurzsichtig und sollte dringend aufgehoben werden. Hier ist die Politik gefordert.
  3. Die Produktion von Strom mit Wasserkraft und Kernenergie ist perfekte Klimapolitik. Die Schweiz produziert gegenwärtig ca. 95 % ihres Stromverbrauches ohne Emission von CO2; welches andere Land der Welt tut das? Vermutlich keines.
  4. Die Elektrizitätswirtschaft muss an ihre nationale Aufgabe glauben, sie muss sich ihr stellen, sie muss sich entschliessen, den Bau neuer Wasser- und Kernkraftwerke rechtzeitig vorzubereiten und zu planen. Beim Ausbau der Wasserkraft muss auf den Heimat- und Landschaftsschutz Rücksicht genommen werden.
  5. Bis zu einem deutlichen Abfall der einheimischen Stromerzeugung wegen der Abschaltungung älterer Kernkraftwerke bleiben uns 10 bis 20 Jahre Zeit, zu planen und zu bauen, diese Zeitspanne muss aktiv genutzt werden, sie darf nicht ungenutzt verstreichen. Die Attitude „das geht dann schon irgendwie, wir können noch zuwarten“, ist falsch, sie bedeutet das Versäumen einer Pflicht. Die Elektrizitätswirtschaft muss weitsichtig, langfristig vorwärts arbeiten. Das Ziel muss die Erhaltung der Versorgungssicherheit im Sektor Strom sein.
  6. Die Schweiz steht im Sektor Wirtschaft (zusammen mit einigen anderen Ländern) an der Weltspitze, dieser Platz ist ohne reichliche Stromversorgung nicht zu halten. Wenn wir schlafen, rücken andere nach; unser Wohlstand wird schwinden.
  7. Die Gesellschaft muss die jungen Generationen überzeugen, um deren Zukunft geht es. Wir Älteren müssen rufen und mahnen!

Heinz Albers

Dr.sc.nat. dipl. Physiker ETHZ

 

Elektromobile – ein Beitrag zum Klimaschutz?

Weshalb das Fragezeichen werden Sie fragen? Elektromobile brauchen weder Benzin, Diesel oder Erdgas, d.h. Treibstoffe, die mehr oder weniger CO2 zum Auspuff in die Luft verpuffen. Stimmt! Jetzt kommt das „aber“: die Elektrizität, die sie zum Aufladen der Batterie benötigen, ist je nach Herstellungsart unterschiedlich mit Kohlenstoffdioxid pro Kilowattstunde (CO2/kWh) belastet. Wie Sie selbst jederzeit auf der Website www.electricitymap.org nachschauen können, ist jedes Land seinem momentanen Elektrizitätsmix entsprechend verschieden gefärbt. Grün (nicht mit dem ideologischen „grün“ der Grünen zu verwechseln!) sind Länder, welche ihre Elektrizitätsversorgung fast ausschliesslich auf Wasserkraft und Kernenergie abstützen. Die 4 grössten sind Frankreich, Norwegen, Schweden und die Provinz Ontario in Kanada. Die CO2-Belastung liegt hier konstant zwischen 24 und etwas über 80 Gramm pro kWh. Die Farben in dieser Weltkarte gehen dann von oliv über gelb, hellbraun, dunkelbraun bis nach schwarz. Deutschland bewegt sich immer zwischen hellbraun (300 Gramm) bis dunkelbraun (600 Gramm), je nach Stärke der Wind- und Fotovoltaikproduktion.

Wenn ein Elektromobil mit dunkelbraunem Strom aufgeladen wird, so ist es nur noch unwesentlich klimafreundlicher als ein Auto mit geringem Benzinverbrauch. Es leistet dann keinen Beitrag zum Klimaschutz.

In der Schweiz kann man seit ca. 6 Monaten die Farbe des Strommixes leider nicht mehr sehen. Irgendjemand hat veranlasst, dass diese Information dem Normalsterblichen vorbehalten bleibt. Ich habe mir vor dem Informationsstopp längere Zeit die Importe von deutschem Strom während der Nacht aufgeschrieben. Es waren häufig über 2 Millionen Kilowatt während bis zu 6 Stunden. Dank unserer Wasserkraft und der Kernkraftwerke war unser Gesamtmix immer noch hellbraun. Wenn dann allerdings unsere KKW’s alle stillgelegt sind, und wir sie mit deutschem Strom ersetzen, wird beim Aufladen der Elektromobile bei Nacht kein grosser Beitrag zum Klimaschutz mehr zu erwarten sein.

Hans Rudolf Lutz, Präsident

 

Lehren aus dem Hitzesommer

Christian Speicher schreibt in seinem Leitartikel (NZZ 10.8.18), dass der diesjährige Hitzesommer ein Weckruf sei, der nicht überhört werden dürfe. Der Artikel nennt vielerlei Probleme, die angepackt werden müssen. Er weist aber auf einen wesentlichen Punkt nicht hin: Immer und überall, wo der moderne Mensch etwas tun muss oder will, braucht es elektrischen Strom, das gilt auch bei der Klimapolitik. Wenn wir unsere Arbeits-, Wohn- und Schlafräume weiterhin benutzbar halten wollen, dann braucht es Klimaanlagen, die brauchen Strom. Wenn der öffentliche Verkehr ausgebaut und elektrifiziert werden soll, um die mit Dieselmotoren ausgerüsteten Fahrzeuge zu eliminieren, dann braucht es Strom. Wenn wir den privaten Autoverkehr und den Betrieb von Taxis und Lastwagen klimagerecht machen wollen, dann braucht es Elektrofahrzeuge; die Autoindustrie arbeitet intensiv an deren Entwicklung, einige Typen sind auf dem Markt. Kurz, für alles braucht es Strom, der klimagerecht, das heisst nicht mit Kohle oder Erdgas erzeugt wird. Der Entscheid des Bundesrats, dem Volk ein Energiegesetz zur Annahme zu empfehlen, das den Bau neuer Kernkraftwerke verbietet, war klimapolitisch ein kapitaler Fehler. Wer neue Kernkraftwerke nicht akzeptieren will, der soll von Klimapolitik nicht reden, denn die Natur hat immer recht.                     Heinz Albers, Zürich

 

Leserbrief zu NZZ, 16.5.2018 „Strom auf Knopfdruck aus Volketswil“

Irrwege in der Strompolitik

Die NZZ und der Tages-Anzeiger vom 16.5.2018 sowie zahlreiche andere Medien haben über die Inbetriebnahme der „grössten Batterie der Schweiz“ durch die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) mit einer Speicherfähigkeit von 7,5 Megawattstunden (MWh) Strom berichtet. Diese Grossbatterie wird als „wichtiges Stück Energiezukunft“, also eine Art Meilenstein der sogenannten Energiewende bewertet.

Um sich eine Vorstellung über die sehr begrenzte Speicherfähigkeit dieser Batterie mit einem Gewicht von 150 Tonnen und Kosten von 6 Millionen Franken zu machen, genügt eine einfache Rechnung. Das Resultat: Weniger als 22 Sekunden Stromproduktion des AKW Leibstadt (1275 MW Leistung) können in dieser Batterie gespeichert werden.

Um den Strom einer Produktionsstunde im AKW Leibstadt zu speichern, müsste man solche Batterien für fast eine Milliarde Franken beschaffen. Und für die Speicherung einer Tagesproduktion betrüge die Investition bereits gegen 24 Milliarden. Ist diese „Energiewende“ eine unsinnige Methode oder bereits methodischer Unsinn?

Die EKZ erwähnen zu Recht, dass der Strom aus dieser Grossbatterie als Regelenergie diene, also zum schnellen Ausgleich von schwankenden Netzspannungen. Warum aber sind solche Massnahmen zunehmend nötig?

Der Grund liegt in der laufend abnehmenden Netzstabilität in unseren Stromnetzen. Die Netzstabilität wird durch die zunehmende Einspeisung von Solar- und Windstrom beeinträchtigt, der als unregelmässiger „Flatterstrom“ anfällt.

Hier zeigt sich klar, dass eine Energiewende, welche Bandenergie aus AKW durch solchen „Flatterstrom“ ersetzen will, ein Irrweg ist. Der infolge des Fukushima-Hypes eingeschlagene Irrweg in der Schweizer Strompolitik führt zu einer Schwächung unserer Versorgungssicherheit.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz hat schon vor drei Jahren überzeugend festgestellt, dass Strommangel die grösste Gefahr für die Bevölkerung unseres Landes darstellt. Wieso wird von der politischen Führung nicht entsprechend gehandelt?

Diese unverantwortliche Strompolitik mündet zudem in eine unglaubliche Rohstoff- und Geldverschwendung wie das Beispiel der neuen Grossbatterie eindrücklich demonstriert. Wer glaubt eigentlich noch, dass eine solche Strompolitik umweltfreundlich ist?

Konrad Studerus, alt Kantonsrat CVP/ZG
Kreuzrain 2
6313 Edlibach/ZG

076 381 27 20
041 755 27 20